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Nepalische Erdnüsse

27. November 2017 at 20:46

„Badam Badam“ hört man es derzeit auf den Straßen in Nepal rufen.
Es wird langsam kälter und sie sind wieder überall zu sehen: die Erdnussverkäufer.

Erdnüsse heißen in der nepalischen Sprache Badam und werden hauptsächlich im Terai Gebiet sowie in den Distrikten Dolakha und Nuwakot angebaut. Sie sind in der kalten Jahreszeit ein begehrter Snack für zwischendurch. Zudem lieben es die Nepalesen die Schale zu knacken und danach jede einzelne Nuss von oben in den offenen Mund fliegen zu lassen.

Manche Verkäufer sitzen am Wegesrand mit einem prall gefüllten Sack und bieten die Nüsse feil. Andere schieben den schweren Karren voll beladen mit dem kostbaren Gut durch die schmalen Gassen. Ein Tongefäß mit glühenden Kohlen thront hoch oben auf dem Erdnussberg. Die Hülsenfrüchte sollen so warmgehalten werden und dem Käufer das Gefühl einer Röstung geben. Fein säuberlich platziert sind unterschiedlich große Blechgefäße.  Es sind Messbecher mit speziellen Maßeinheiten, die es in Nepal gibt. Das Maß ein Muthi entspricht ungefähr 0,055 Liter und stellt die Grundlage der anderen Einheiten wie Mana (10 Muthi), Kuruva (zwei Mana), Pathi (acht Mana) und Muri (zwanzig Pathi) dar. Die gewünschte Erdnussmenge wird fein säuberlich abgemessen und dann in eine aus alten Zeitungen gefaltete Tüte gegeben.

Ein Genuss …

… und einfach wunderschön die Erdnussverkäufer an den verschiedensten Orten zu entdecken.

NAMASTE!

 

Erdnussverkäufer mit Karren

 

Erdnüsse in den Messbechern

Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 22

18. Oktober 2017 at 11:39

18. Oktober 2017 – Namaskar Nepal – Informationen / Rundbrief No. 22

Frohes Lichterfest – Happy Diwali

Göttin Laksmi (published Wikinut Image)


Das Lichterfest Tihar hat gestern mit der Verehrung der Krähen begonnen. Heute, am Tag der “Kukur Puja” sind überall Hunde mit roten Tikas und Blumengirlanden um den Hals zu sehen. Neben den Krähen und Hunden werden auch Kühe und Ochsen verehrt und als Inkarnationen der Göttin Laksmi, die als “Hauptperson” des Festivals fungiert, gefeiert. Laksmi ist die Göttin des Wohlstands und Glücks. Während der bunten Feierlichkeiten sind Häuser und Gebäude mit blinkenden Lichterketten und Blumengirlanden aus Tagetes geschmückt. Damit die Göttin den Weg in die Häuser findet und den Wohlstand in die Familien bringen kann, wird am dritten Tag, dem Tag der “Laksmi Puja” ein wunderschön verzierter Weg zum Hauseingang gemalt. Um diesen Weg besonders attraktiv zu gestalten, wird am  Anfang ein kreisrundes buntes Mandala, das Rangoli, gemalt. Die mit glitzerndem Farbpulver und Blütenblättern gestalteten Rangolis sind mittlerweile wahre Kunstwerke. Heutzutage können dafür sogar Vorlagen im Internet heruntergeladen werden. 

In den Familien werden Früchte und Süßigkeiten serviert. Am letzten Tag des Festes, dem “Brudertag” (Bhai Tika) geben Schwestern ihren Brüdern eine Tika (Segenszeichen) auf die Stirn und erhalten dafür ein kleines Geschenk.

So wie die Göttin Laksmi Wohlstand und Glück in die Häuser bringt, tragen Sie liebe Spender, Förderer, Mitglieder, Volontäre und Freunde von Sunaulo Sansar dazu bei, den Bewohnern von Brabal neues Glück in Form eines Hauses zu bescheren.

Innerhalb der letzten fünf Monate hat sich beim Wiederaufbau einiges getan und wir können Neues berichten.

Neuigkeiten aus Brabal

Dorf Brabal mit neuen Häusern


Ende September machten wir uns auf den Weg nach Brabal.  Aufgrund der bereits begonnenen Trekking-Saison konnten wir dafür drei Tage  einplanen. Einen Tag um nach Brabal zu kommen, einen Tag um die Häuser zu besichtigen und einen Tag um zurück nach Kathmandu zu fahren.

Die Straßenverhältnisse nach Thulo Barkhu waren verheerend. Ab Trisuli begleiteten uns vom Regen aufgeweichte und matschige Wege. Die von der nepalisch-tibetischen Grenze kommenden Lastwagen gruben sich tief in die Schlammmassen und schwankten wie Betrunkene auf unseren seitlich stehenden Jeep zu. Wir hofften darauf, dass keiner davon im Matsch stecken blieb. Das hätte das Ende unserer Reise bedeutet.

 

Schlammige Straßen ins Langtang Gebiet


Göttin Laksmi begleitete uns wohl, denn das Glück war auf unserer Seite und so kamen wir noch vor Einbruch der Dunkelheit in Thulo Barkhu an. Der Schotterweg nach Brabal war durch einige Felsabgänge blockiert. So mussten wir die  letzten 6 km zu Fuss gehen. Wir waren dabei in guter Gesellschaft. Kinder aus Brabal und Thulo Shafru, die in Kathmandu zur Schule gehen, kletterten mit uns zusammen die steile Strecke hoch. Es war der erste Tag der einmonatigen Dashain und Tihar Ferien und die Mädchen und Jungs kehrten zurück in ihre Dörfer.  

 

Blockierte Wege

 

Als wir in Brabal ankamen war es bereits Nacht. In der letzten Stunde halfen uns die Taschenlampen die Richtung zu halten. Das Gehen in stockdunkler Finsternis auf holprigem Untergrund mit abschüssigen Stellen erforderte enorme Konzentration. Müde und erschöpft genossen wir das späte Abendessen.

Am nächsten Tag machten wir einen Rundgang durch das Dorf. Die Dorfbewohner und Arbeiter waren sehr fleissig. Insgesamt sind nun 16 Häuser komplett wiederaufgebaut. 5 Häuser befinden sich derzeit  im Rohbau. Wir gehen davon aus, dass diese nach den Tihar Festlichkeiten fertig werden. Unser Ziel ist es zwei weitere Häuser vor Wintereinbruch zu errichten.

Mittlerweile überprüften auch Ingenieure der Nepal Reconstruction Authority (NRA) die Erdbebensicherheit der Häuser vor Ort und gaben das Okay für die Auszahlung der zweiten Tranche der staatlichen Entschädigungssumme über NPR 150.000 (ca. EUR 1.250,00).

Während unserem Besuch war es wieder eine Freude die Gestaltungsvielfalt und  individuellen Inneneinrichtungen der Häuser  zu sehen. Was uns besonders begeisterte waren dieses Mal die selbstgestalteten Küchenzeilen mit eingebauten Spülen und Regalen. Selbst die Henkel der darauf stehenden Tassen und Gläser zeigten in die gleiche Richtung. Bei dieser Struktur und Übersichtlichkeit kommen sicherlich auch Ordnungs-Experten ins Staunen.

 

Wunderschöne Küchenzeile von Nima Tenzin und seiner Frau Kamsya

 

Selbstgestaltete Küche von Phurpu und seiner Frau Karma Yangzen

 

Kreativität im Haus von Bunima und seiner Frau Himali

 

Politische Bewegungen im Land

Ins Staunen wurde auch die Bevölkerung durch den plötzlichen Zusammenschluss der mitregierenden Maoistenpartei CPN (Maoist Center)  mit der CPN-UML Partei (Kommunisten) und der Naya Shakti Partei Ende Oktober versetzt. Das Wahlbündnis hat sich zum Ziel gesetzt, die Zweidrittelmehrheit in den kommenden Landtags- und Bundestagswahlen Ende November / Anfang Dezember zu erreichen.

Zwischenzeitlich hat sich die regierende Congress Partei mit der Nepal Loktantrik Forum (NLF) verbündet. Premierminister Sher Bahadur Deuba hat das Kabinett umgestaltet und Minister ausgetauscht. Die politische Entwicklung dreht sich weiterhin im Kreis und es bleibt abzuwarten, wie die kommenden Wahlen ausgehen werden.


Wer möchte Brabal und seine Bewohner kennenlernen?
Kultur & Social Tour – neues Reiseangebot

Dorfbewohner von Brabal beim Meeting

 

Versammlung im neuen Haus von Bunima


Wer sich die nachfolgenden Impressionen von den Bauarbeiten und neuen Häusern nicht nur auf Fotos ansehen möchte, kann sich gerne für die Teilnahme an der Kultur & Social Tour im November nächsten Jahres anmelden. Nachdem uns viele Anfragen erreichten, haben wir diese Tour konzipiert. Hiermit möchten wir Ihnen die Möglichkeit geben, unsere Sozialprojekte, insbesondere das Wiederaufbauprojekt zu besuchen und die Bewohner von Brabal kennenzulernen. Ein ausgewogenes Stadtbesichtigungsprogramm mit Besuch der drei Königstädten runden die Reise ab. Unter dem nachfolgenden Link sind weitere Informationen zu finden. Bei Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung:

http://www.tembasnepaltrek.com/de/reisetermine/icalrepeat.detail/2018/11/12/234/-/kultur-social-tour-19-reisetage-ab-bis-kathmandu#reiseverlauf


Weitere Fotoimpressionen aus Brabal:

 

Häuser von Tsewang und Nono im Rohbau 

 

Haus von Dharma im Rohbau

 

Haus von Phurpu und Karma Yangzen

 

Kamsung vor seinem fertigen Haus

 

Nima Tenzin vor seinem neuen Haus

Die lebende Göttin Kumari

28. September 2017 at 11:40

Heute am 28. September feiern wir in diesem Jahr (2017) den achten Tag des Dashain Festivals – Maha Asthami. An diesem Tag werden Tausende von Schafen, Ziegen, Enten, Hühnern und Wasserbüffeln in feierlichen Zeremonien auf den Tempelplätzen geschlachtet. Die Opfergaben werden der Göttin Durga dargebracht. Durga wird als Göttin der Stärke, der Macht und des Friedens verehrt. In einer Legende wird beschrieben, dass sie mit Hilfe eines Löwen den Teufel besiegte. Deshalb wird Durga meistens mehrarmig reitend auf einem Löwen dargestellt.

Dies ist allerdings nicht das einzige Highlight an diesem Tag. Heute zieht auch die neue Kumari als lebende Göttin  in ihren Palast am Durbar Square in Kathmandu ein. Die Auserwählte heißt Trishna Sakya und ist erst 3 ½  Jahre alt.  Wie die anderen Kandidatinnen aus dem Sakya Clan musste sie sich strengen psychischen und physischen Tests unterziehen. Für den Wechsel der Kumaris haben Astrologen die beste Uhrzeit ermittelt.  Um 12.02 h ist es soweit und das kleine Mädchen löst ihre Vorgängerin Matina Sakya ab. Matina wurde im Oktober 2008 eingesetzt und hat fast  9 Jahre als lebende Göttin fungiert. Mit dem Einsetzen der ersten Menstruation ist nun ihre Residenz beendet.

 

Das besagte Fenster, an dem sich die Kumari einmal am Tag zeigt (Kumari Haus, Kathmandu Durbar Square)

 

Am vergangen Sonntag haben wir uns noch mit Gästen über die Kumari unterhalten. Die „alte Kumari“ hatte sich ihnen an diesem Tag am Fenster gezeigt und wirkte ziemlich zickig und hochnäsig. Wahrscheinlich wusste sie zu diesem Zeitpunkt schon, dass sie in den nächsten Tagen den Platz für ihre Nachfolgerin frei machen muss. Insofern ist es schon nachvollziehbar, dass sich ängstliche Gedanken und Phantasien in den Kopf bohren und solche Reaktionen auslösen.

 

Kumari in Patan (2009)

Bildung für die Ärmsten der Armen

31. August 2017 at 11:44

Schulbildung und Persönlichkeitsentwicklung für die Ärmsten der Armen

Das Kastenwesen in Nepal war bis zu seiner offiziellen Abschaffung im Jahr 1963 über ein Jahrhundert lang gesetzlich verankert. Die Angehörigen der untersten Kaste, die Dalits, gelten als unrein und daher unberührbar. Für uns Europäer ist das nicht nachvollziehbar, denn dazu zählen ehrbare Hand‐
werksberufe wie Schmiede, Schneider, Friseure aber auch bestimmte Musiker, Wäscher, Straßenreiniger und Abdecker. Dalits gehören zu den Ärmsten der Armen und erleben selbst heutzutage noch soziale und politische Diskriminierung und Ablehnung in der Gesellschaft.

Seit 1998 unterstützt die Deutsch-Nepalische Hilfsgemeinschaft e.V. (DNH, www.dnh-stuttgart.org) Dalit Mädchen in der Schulbildung und Persönlichkeitsentwicklung über die nepalesische Hilfsorganisation Children Nepal in Pokhara. Die lokale NGO wurde 1995 gegründet und setzt sich insbesondere für sozial benachteiligte Kinder, hauptsächlich Mädchen, aus armen Familien ein. Dabei wirkt die Organisation als Beratungsstelle und Ausbildungszentrum zugleich. 18 qualifizierte und hochmotivierte Sozialarbeiter kümmern sich um die Kinder und Familien. Von den derzeit 400 betreuten Kindern werden 115 von der DNH gefördert. Gerne würde die DNH dieses Kontingent erweitern, um dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden.

Das von Children Nepal praktizierte Hilfsprogramm ist ein Paradebeispiel dafür, wie eine gezielte Hilfe für benachteiligte Kinder inklusive Familienförderung in Nepal geleistet werden kann. Besonders erwähnenswert ist, dass die Kinder während der gesamten Förderungsdauer zu Hause bei ihren Eltern oder Verwandten wohnen. Die Mitarbeiter von Children Nepal kennen die familiären und sozialen Verhältnisse eines jeden Kindes. Bereits bei der Auswahl der Kinder im Alter zwischen fünf und sechs Jahren wird der Familienhintergrund durch einen Hausbesuch und Gesprächen mit Nachbarn untersucht.  Durch weitere regelmäßige Besuche in den Familien können Probleme innerhalb der Verwandtschaft frühzeitig erkannt und anschließend einer Störung der persönlichen und schulischen Entwicklung des betroffenen Kindes entgegengewirkt werden. Wiederkehrende Treffen mit der Schulleitung und den Lehrern tragen dazu bei, Lernprobleme oder unentschuldigte Abwesenheiten vom Unterricht zu erörtern und aufzuklären.

Die finanzielle Unterstützung der Kinder erfolgt in Form der Bereitstellung von Schulmaterialien und Schulkleidung sowie Bezahlung von Schulgebühren, Ausflügen und weiteren bildungsfördernden Maßnahmen. Darüber hinaus leistet die NGO einen besonders nennenswerten und in Nepal sonst selten vorkommenden Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung der Kinder.

Während der wiederholt stattfindenden Schulungen zur Lebensführung und Berufswahl werden die Lebensziele und -vorstellungen eines jeden Einzelnen in einer schriftlichen Zielvereinbarung festgehalten.  In turnusmäßigen Nachschauprüfungen werden die Ziele zusammen mit den Sozialarbeitern überwacht, korrigiert oder neu getroffen. Children Nepal legt dabei großen Wert auf eine realistische und erreichbare Zielsetzung der Kinder.

 

 

Auch zur Inklusion der Dalits trägt die Hilfsorganisation durch Schulungen für Lehrer und Schulleitung bei. „Früher war es für Dalits unmöglich, das Haus einer anderen ethnischen Volksgruppe zu betreten. Ein gemeinsames Essen oder gemütliches Beisammensein war undenkbar. Heutzutage sitzen die Lehrer schon mal zusammen mit den Dalit Schülern. Gemeinsame praktische Arbeiten der Schüler unterschiedlicher Herkunft sind mittlerweile möglich. Positive Entwicklungen und Veränderungen sind langsam wahrnehmbar.“  erzählt Sharada Sharma, die Leiterin von Children Nepal.

Sharada, die bereits seit 21 Jahren für die NGO tätig ist, kann von vielen erfolgreichen Lebensgeschichten der Kinder berichten.

Ganz besonders freut sich sie sich über die Entwicklung der jungen Frau Israth.  Israth war das erste Dalit Mädchen, das von der DNH gefördert wurde. Heute arbeitet sie bei Children Nepal als Sozialarbeiterin und Assistentin der Geschäftsleitung.

Kunjani Pariwar absolvierte nach ihrem Schulabschluss zunächst eine Ausbildung zur Lebens- und Berufsberaterin. Heute studiert sie im letzten Semester Jura. Nach dem Erdbeben im vergangenen Jahr besuchte sie auf eigene Faust die betroffenen Gebiete um die Menschen zu unterstützen und ihnen Mut zu machen.

Der Artikel wurde im DNH-Brief Oktober 2017 veröffentlicht:
http://www.dnh-stuttgart.org/fileadmin/templates/dateien/DNH_Brief_12.pdf

Das Nonnenkloster BIGU GUMBA

16. Juli 2017 at 23:26

Ein beeindruckendes Beispiel des Wiederaufbaus in Nepal

Bigu Gumba eines der ältesten Nonnenkloster in Nepal liegt ganz idyllisch auf einer Anhöhe (2.580 m) mit wunderschönem Ausblick im Dolakha Distrikt.

Ein versteckter und magischer Ort – fast so wie im Märchen Schneewittchen bei den sieben Zwergen, hinter den sieben Bergen.

Geshe Lobsang Gyalsen La, der Klostervorsteher von Bigu Gumba steigt bereits in Charikot zu uns in den Jeep. Nach zwei Stunden Fahrt durch eine herrliche Landschaft begleitet durch das kurze Aufblitzen der Ghaurishankar Bergkette erreichen wir Singati (1.065 m). Hier machen wir eine kleine Mittagsrast in einem lokalen Dal Bhaat Restaurant. Danach geht es gestärkt weiter. 3 ½ Stunden Fahrt liegen bis Bigu Gumba vor uns.

Beschwerlich und keuchend kämpft sich der Jeep die steilen, holprigen und abschüssigen Wege hoch.  In dieser Gegend hat der Tourismus noch keinen Einzug gehalten. Es gibt keine entwickelte Infrastruktur für Trekkingreisende. Hier existiert nepalisches Dorfleben pur. Viele Dörfer um Bigu werden von der ethnischen Volksgruppe Thami bewohnt. Ein Stamm, der ursprünglich Schamanismus praktizierte und sich durch Inzest erhalten konnte.

Schon während der Fahrt beginnt Geshe La über das Kloster zu erzählen: „Bigu Gumba wurde 1932 gegründet und ist das älteste Nonnenkloster aus dem Mahayana Buddhismus in Nepal. Der offizielle und registrierte Name des Klosters lautet Tashi Chime Gatsal Gompa. Im Jahr 2008 kam ich nach Bigu Gumba und habe die Position des Klostervorstehers übernommen. Insgesamt sind derzeit 65 Nonnen im Alter zwischen 8 und 90 Jahre im Kloster ordiniert. 50 Nonnen leben im Moment vor Ort.“

Durch die interessanten Berichte ist die Reise kurzweilig. Die Zeit vergeht schneller als gedacht.

„Gleich haben wir es geschafft.“ ruft Geshe La. Es ist kaum zu glauben, denn das Klostergrundstück ist weit und breit nicht zu sehen. Dann plötzlich, nach einer letzten Serpentine, wie aus dem Nichts, breitet sich das Plateau aus.

 

Bigu Gumba

 

Wir werden herzlich von den Nonnen empfangen und können bei einem Tee das Gespräch mit Geshe La fortsetzen. Dabei erfahren wir, dass jährlich 5 – 6 neue Nonnenschülerinnen, vorwiegend aus den Gebieten Dhading, Jiri, Sinduli, Sinduphalchowk und Dolakha, ins Kloster kommen.  Bedauerlicherweise liegen die Abgänge in der gleichen Größenordnung.

„Neben den buddhistischen Praktiken des Buddhismus und der tibetischen Sprache lernen die Nonnenschülerinnen in der klostereigenen Schule Englisch, Nepali und Mathematik bis zur 8. Klasse. Dazu wurden extra zwei Lehrerinnen seitens der Regierung eingestellt. Den SLC Abschluss nach der 10. Klasse können die jungen Nonnen in der Dorfschule absolvieren“ führt das Klosteroberhaupt weiter aus.

Plötzlich hören wir einen Gong der langsam und rhythmisch angeschlagen wird. Es ist das Zeichen, dass in 15 Minuten eine Puja (Zeremonie/Gottesdienst) stattfindet.  Wir werden von Geshe La eingeladen daran teilzunehmen. Diese Einladung nehmen wir gerne an.  Bis zum Wiederaufbau des Klosters werden die Pujas in dem neuerstellen und von der nepalischen Regierung finanzierten Küchengebäude abgehalten.

Wir betreten andächtig den kleinen Raum. Die Nonnen sitzen entlang den Wänden auf Kissen, vor sich ein niederes Tischchen mit Gebetsbuch und einer Tasse Buttertee. Trommeln, Pauken und Trompeten liegen zum Einsatz bereit.  Nachdem wir Platz genommen haben, schenkt uns eine Nonne Buttertee ein.  Ein außergewöhnliches Erlebnis, fasziniert lauschen wir den Mantras, die sich mit den Klängen der Instrumente vermischen.

 

Nonnenschülerinnen bei der Puja

 

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück berichtet Geshe La ausführlich vom Tag des Erdbebens am 25. April 2015. Die gesamte Klosteranlage, die Unterkünfte der Nonnen und das zum damaligen Zeitpunkt gerade fertig gebaute Gästehaus wurden komplett zerstört und die Schulräume schwer beschädigt. Mit einem Helikopter wurden die Nonnen und der Klostervorsteher nach Kathmandu ausgeflogen. Der Helikopter musste mehrere Male hin und her fliegen um die gesamte Klosterbelegschaft zu bergen.

Geshe La nimmt uns auf eine Besichtigungstour mit und zeigt uns das weitläufige Gelände. An den Notunterkünften der Nonnen ist ein Plakat angebracht. Es zeigt Bilder mit der Klosteranlage vor dem Erdbeben und danach. Auch die Baupläne der zu erstellenden Gebäude sind festgepinnt.

„Ich schätze, dass innerhalb 3 Jahren, also im Jahr 2018 die Wiederaufbauarbeiten abgeschlossen werden können“ antwortet Geshe La auf die Frage, wie lange es wohl dauert bis alles wiederaufgebaut ist.

Es ist bemerkenswert, wie Geshe La die Bauarbeiten kontrolliert, koordiniert und organisiert. Auch die Arbeiter, die aus Sinduphalchowk kommen und die erdbebensicherere Bauweise beherrschen, werden aufmerksam beobachtet und gelegentlich auf die Einhaltung der Baupläne und das korrekte Mischverhältnis für den Zement hingewiesen.

 

Neubauten in Bigu Gumba

 

Ein Trakt der neuen Nonnenunterkünfte steht bereits im Rohbau. Die Fundamente für die weiteren Gebäude sind bereits gelegt.  Darüber hinaus laufen die Bauarbeiten am Gästehaus mit 9 Zimmern auf Hochtouren. Das Haus soll im März fertiggestellt sein.  Für Wanderer, die auf der Rolwaling Route unterwegs sind, bietet diese Unterkunft eine tolle Möglichkeit an diesem fantastischen Ort in das Klosterleben einzutauchen und eine Puja hautnah zu erleben. Das Grundstück, auf dem eine Medizinstation entstehen soll, ist bereits eingeebnet und wartet auf die Fundamentlegung.

Finanzielle Unterstützung erhält das Nonnenkloster sowohl vor als auch nach dem Erdbeben hauptsächlich aus dem Ausland. Die große Hilfe kommt von Organisationen aus Hongkong, den USA und Deutschland.  Dennoch erfordert ein solch großes Projekt neben den finanziellen Mittel eine kompetente Leitung und Organisation. Sicherlich hat das Kloster mit Geshe La dafür eine geeignete Besetzung.

Es ist wirklich sehr beeindruckend zu sehen, wie weit die Wiederaufbauarbeiten an einem so abgelegenen Ort fortgeschritten sind. Wiederaufbauarbeiten, die mit inländischer und ausländischer Unterstützung sowie nepalischer Tatkraft geleistet werden.

 

Geshe La und Sabine Pretsch

 

Der Artikel wurde in Englisch im Spotlight Magazine Nepal am 10. März 2017 veröffentlicht:

https://www.spotlightnepal.com/2017/03/10/bigu-gumba-nunnery-an-impressive-example-of-reconstruction-in-nepal/